








Obwohl die Stadt Swinemünde bereits ab Mitte des 19.
Jahrhunderts auf einen Bahnanschluss drängte, sollte noch viel Zeit bis
zur Realisierung dieser berechtigten Forderung ins Land gehen. Zu viele
Widerstände waren zu überwinden. Sogar der Bau eines 7,5 km langen Dammes durch
das Haff wurde erwogen. Anklam, Greifswald und Stralsund besaßen bereits 1863
Bahnverbindungen. Swinemünde wartete immer noch. Letztlich erhielt die
Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft den Auftrag für den Bau einer
Eisenbahnstrecke von Ducherow nach Swinemünde.
Zur Überquerung der Peene bei Karnin entstand eine vorerst eingleisige Brücke
mit einem als Drehbrücke ausgebildeten Mittelteil. Am 15. Mai 1876 wurde diese
Strecke für den Verkehr frei gegeben. Von Berlin bis Swinemünde waren etwa 200
km zurück zu legen. Davon entfielen auf den Abschnitt Ducherow – Swinemünde
annähernd 40 km. Der Teilabschnitt auf der Insel Usedom von Karnin bis
Swinemünde Hauptbahnhof betrug ca. 27 km. In nicht einmal 3 Std. konnte man
nunmehr von Berlin aus Swinemünde, die „Badewanne Berlins“, erreichen.
Ausgangsbahnhof für die Züge in Richtung Swinemünde war in Berlin der „Stettiner
Bahnhof“.
Personenzüge hielten in Karnin, Usedom und Dargen, später auch in Stolpe bei
Usedom, sowie in Kutzow. 1894 kam noch der Golm hinzu. Die Eil- und D-Züge
fuhren ohne weiteren Halt von Ducherow bis Swinemünde.
Da die Drehbrücke nach jahrzehntelangem Betrieb verschlissen war und auch nicht
mehr den gestiegenen Anforderungen genügte, wurde sie 1933 durch eine Hubbrücke
ersetzt. Als Vorbild diente dabei die Brücke über den Koningshaven von
Rotterdam.
Nur zwölf Jahre danach, am 28. April 1945, sprengten deutsche Soldaten die festen
Überbauten dieser Brücke. Die Verbindung der Eisenbahn zum Festland war und
blieb unterbrochen. Bis 1948 wurden die auf Usedom vorhandenen Gleisanlagen u.
a. noch für die Versorgung des Flugplatzes Garz und zum Abtransport von
Reparationsgütern durch die Besatzungsmacht genutzt, danach erfolgte die
Demontage der Gleisanlagen bis nach Karnin. Der Hubteil der Brücke Karnin blieb
1945 unversehrt und ist heute noch dort als ein Zeugnis großartiger technischer
Leistungen sowie als Symbol sinnloser Zerstörung und immer noch nicht
überwundener Folgen des 2. Weltkrieges zu besichtigen. Es bestehen jedoch
berechtigte Hoffnungen, dass in der Zukunft hier wieder Züge verkehren werden.
Die Bedeutung der Eisenbahn für die weitere Entwicklung der Bäder der Insel
Usedom ist kaum zu überschätzen. Am 01. Juli 1894 wurde die Strecke Swinemünde –
Heringsdorf (über Ahlbeck) fertig gestellt, ab 1901 war die Insel Wollin von
Swinemünde aus mittels einer Eisenbahnfähre erreichbar und 1911 konnte man auch
zur 42 km entfernten „Wolgaster Fähre“ mit der Bahn fahren. Anteil
an dieser Strecke hatten natürlich auch die Seebäder Bansin, Ückeritz,
Kölpinsee, Koserow, Zinnowitz und Trassenheide. „Wolgaster Fähre“ war und blieb
bis zum Jahr 2000 Endpunkt der Eisenbahn. Wer weiter reisen wollte, musste einen
Fußmarsch über die Wolgaster Peenebrücke zum Bahnhof Wolgast Hafen oder
umgekehrt in Kauf nehmen. Nach 1945 war dies für Fernreisende die einzige Möglichkeit,
die nunmehr wirkliche „Inselbahn“ zu nutzen. Die Züge pendelten mehr als ein
halbes Jahrhundert nur noch zwischen Ahlbeck und Wolgaster Fähre. Güterwagen
wurden mit einer Eisenbahnfähre über die Peene befördert. Diese Fähre liegt
heute als Museumsschiff im Hafen neben der Wolgaster Schlossinsel.
Für die Swinemünder Bahnhöfe waren die Folgen des Krieges noch weitaus gravierender. Die Bahnhöfe der
Stadt hatten ihre Bedeutung völlig verloren. Einzig der Bahnhof von Ostswine
blieb in Funktion.
Nach dem Ersatz der alten Wolgaster Peenebrücke durch eine neue, modernere
Brücke im Jahre 1996 und der Gleisanbindung über diese Brücke nach Wolgast kann nunmehr die Usedomer Bäderbahn auch das Festland erreichen. In Richtung Swinemünde wurde die
Eisenbahnstrecke zunächst bis zur Grenze ausgebaut. Seit dem Jahre 2008 fährt die Usedomer Bäderbahn bis Swinemünde
(Zentrum). Bei der Eröffnung der neuen Strecke betonten die Festredner beider Seiten, dass man das Klassenziel erst
erreicht habe, wenn die Bahnlinie über Ducherow wieder eröffnet sei. Das wäre im
Interesse aller Inselbewohner sehr zu begrüßen. Die Schweriner Landesregierung
verfolgt offensichtlich andere Ziele.
Nachzutragen bleibt eine Nebenstrecke von Zinnowitz über Trassenheide und
Karlshagen nach Peenemünde. Sie entstand als 12 km lange Werkbahn in den
dreißiger Jahren im Zusammenhang mit der Heeresversuchsanstalt Peenemünde.
Seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist sie für den öffentlichen
Verkehr nutzbar.
R.R.

Foto links: Die Karniner Brücke (Mittelteil) soll möglicherweise wieder aufgebaut werden.
Fotos oben 1.Reihe(von links): Der Badbahnhof, der Bahnhof Ostswine, der Hauptbahnhof (von der Straße aus gesehen).
2.Reihe: Der Hauptbahnhof, der Hafenbahnhof, am Bollwerk.
3. Reihe: Der Hauptbahnhof in Swinemünde wird heute nicht mehr adäquat genutzt. Der frühere Verlauf der Bahnlinie zwischen Ducherow und Swinemünde (K. Vossberg).
Der Bahnhof in Karnin. Zwar fahren hier keine Züge mehr, ein Besuch lohnt sich jedoch allemal!